Ursprünglich war es die Absicht von Herrn Arnold Kegel, mit seinen damals entwickelten Kegel-Übungen Frauen dabei zu helfen, Inkontinenz und anderen Leiden des Beckenbodens entgegenzuwirken. Im Laufe der Zeit hat man jedoch erkannt, dass Kegel-Übungen auch Männern dienlich sein können, nämlich ebenso zur Bekämpfung von Inkontinenz, aber auch zur Vorbeugung von Potenzstörungen und anderen Leiden, sowie zur Stärkung jener Muskulatur, die für zentrale Elemente des Geschlechtsakts verantwortlich sind. Kegel-Übungen selbst sind dabei nichts anders als das Trainieren eines bestimmten Muskelbereichs am Beckenboden mit verschiedenen Bewegungsabläufen. Kegel-Übungen sind weder anstrengend, noch benötigen sie viel Zeit und somit kann man sie mit Leichtigkeit in jeden Alltag integrieren.

Die Beckenbodenmuskulatur kurz erklärt

Eigentlich arbeitet die Beckenbodenmuskulatur automatisch. Man spannt sie beispielsweise jedes Mal unbewusst an, wenn man den Harnfluss beim Urinieren unterbrechen oder beenden möchte. Entspannt wird die Muskulatur, auch PC-Muskel (lat. musculus pubococcygeus) genannt, hingegen während dem ungehinderten Harnfluss.

Ebenso arbeitet der Muskel bei der Anspannung eines steifen Gliedes, sowie beim Samenerguss. Wiederholtes Anspannen des Muskels führt in der Regel dazu, dass mehr Blut in das männliche Glied fließt und es steifer wird. Je stärker die Muskulatur im Beckenbodenbereich ist, desto länger und stärker können Erektionen andauern.

Die Beckenbodenmuskulatur stabilisiert jedoch auch die inneren Organe, weshalb sie bei schwacher Ausprägung zu Komplikationen beitragen kann. Eine der Ursachen von Inkontinenz ist jene, dass die Organe von oben auf Darm und Harnröhre drücken und ein ungewollter Harnabgang bei ruckartiger Belastung eintritt, weil die Verschlussmechanismen nicht mehr greifen können.

Wie finde ich den Beckenbodenmuskel?

Wer sich nicht sicher ist, wo sich der Beckenbodenmuskel genau befindet, kann dies mit einer ganz einfachen Technik herausfinden. Versuchen Sie, beim Urinieren den Harnstrahl während des Harnflusses zu unterbrechen, ohne dabei die eigenen Hände zu verwenden. Sehr schnell wird man den Muskel spüren können, wie er sich zusammenzieht und wieder entspannt. Er befindet sich direkt zwischen Hoden und After, relativ tief im Inneren des Körpers, weshalb es für viele Menschen schwierig erscheint, ihn gezielt zu trainieren.

Steigerung der Funktionen des PC-Muskels

Trainiert man gezielt den Beckenbodenmuskel, so verbessert man seine Funktionalität in verschiedenen Lebensbereichen. Neben der Vorbeugung von Inkontinenz sowie Impotenz lassen sich auch folgende Vorteile genießen

  • Beugt vorzeitigem Samenerguss vor
  • Intensiverer Orgasmus

Der Muskel ist nämlich nicht nur beim Urinieren oder bei der Erektion aktiv, um Blut in den Penis zu pumpen sondern auch beim Orgasmus und Samenerguss. Er spannt sich während eines Orgasmus mehrere Male abwechselnd stark an und entspannt sich danach wieder. Je ausgeprägter der Beckenbodenmuskel ist, desto mehr hat man seine sexuellen Aktivitäten unter Kontrolle. Das kann zu gesteigerter Ausdauer beim Geschlechtsverkehr führen

Das ABC der Kegel-Übungen

Prinzipiell kann man Kegel-Übungen im Stehen, Sitzen oder Liegen ausführen. Hat man den PC-Muskel identifiziert, spannt man ihn für 5 Sekunden fest an und lässt ihn danach locker. Dies wiederholt man im Abstand von ein paar Sekunden mehrmals. Es empfiehlt sich diese Übung zwischen 3x und 10x pro Tag zu wiederholen. Mit der Zeit kann man versuchen, den PC-Muskel länger anzuspannen, um einen stärkeren Trainingseffekt zu erzielen. Vermeiden sollte man während des Trainings jedoch das Anspannen der Bauch- und Po-Muskulatur.

Außerdem ist davon abzuraten, den Muskel beim Urinieren zu trainieren. Eine ruckartige Unterbrechung des Harngangs kann zu Entzündungen der Blase oder im Bereich der Harnwege führen.

Kegel-Übungen sind sicherlich eine der einfachsten und unkompliziertesten Möglichkeiten, der Inkontinenz und vor allem Impotenz vorzubeugen. Innerhalb weniger Minuten kann man ein einfaches und tägliches Trainingsprogramm absolvieren und das auch in aller Öffentlichkeit, ohne dass es jemandem auffallen wird.